Gesundheit
Rücken- und Nackenschmerzen durch eine grosse Brust: was hilft?
Viele Frauen mit einer grossen, schweren Brust kennen das: Abends schmerzen Nacken und Schultern, die BH-Träger hinterlassen tiefe Rillen, und beim Sport ist jede Bewegung unangenehm. Oft dauert es Jahre, bis Betroffene diese Beschwerden überhaupt mit der Brust in Verbindung bringen. In diesem Artikel erklären wir, wie die Belastung entsteht, welche Massnahmen im Alltag helfen können und wann eine operative Brustverkleinerung eine Option sein kann.
Wie die Belastung entsteht
Die Brust liegt vor dem Körperschwerpunkt. Je schwerer sie ist, desto stärker zieht sie den Oberkörper nach vorne. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten die Muskeln im Nacken, zwischen den Schulterblättern und im oberen Rücken ständig mit. Viele Betroffene entwickeln zudem eine Schonhaltung: Die Schultern fallen nach vorne, der Rücken wird rund, manchmal aus körperlichen, manchmal auch aus emotionalen Gründen, weil man die Brust weniger zeigen möchte.
Diese Dauerbelastung kann zu Verspannungen, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Brustwirbelsäule und zu Druckstellen an den Schultern führen. Hinzu kommen bei manchen Frauen Hautreizungen und Entzündungen in der Unterbrustfalte, besonders im Sommer.
Was im Alltag helfen kann
Bevor über eine Operation nachgedacht wird, lohnt es sich, die konservativen Möglichkeiten auszuschöpfen. Viele davon verbessern die Situation spürbar.
Ein gut sitzender BH. Fachberaterinnen erleben es immer wieder: Viele Frauen tragen eine unpassende BH-Grösse, oft mit einem zu weiten Unterbrustband und zu kleinen Cups. Das Gewicht sollte zum grössten Teil vom Unterbrustband getragen werden, nicht von den Trägern. Eine professionelle Beratung in einem Fachgeschäft für grosse Cups lohnt sich. Breite, gepolsterte Träger verteilen den Druck auf den Schultern besser.
Ein guter Sport-BH. Beim Laufen oder Springen bewegt sich die Brust stark. Ein Sport-BH mit hoher Stützfunktion reduziert diese Bewegung und damit die Belastung für Haut, Bänder und Rücken.
Kräftigung des oberen Rückens. Gezielte Übungen für die Muskulatur zwischen den Schulterblättern helfen, die Haltung aufzurichten. Dazu gehören Rudern mit einem Theraband oder am Sling-Trainer, das Zusammenziehen der Schulterblätter im Sitzen oder Übungen in Bauchlage, bei denen die Arme in W-Position angehoben werden.
Mobilisation der Brustwirbelsäule. Rollen auf einer weichen Faszienrolle quer unter den Schulterblättern und Drehübungen im Sitzen können die Beweglichkeit verbessern.
Wärme bei Verspannungen. Ein warmes Kissen auf Nacken und Schultern entspannt am Abend. Wann Wärme und wann Kälte sinnvoll ist, erklären wir in unserem Ratgeber zu Hot/Cold Packs.
Physiotherapie. Eine Physiotherapeutin kann Haltung und Muskulatur beurteilen und ein individuelles Programm zusammenstellen. Physiotherapie auf ärztliche Verordnung wird von der Grundversicherung übernommen, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.
Gewicht. Bei manchen Frauen verändert sich die Brustgrösse mit dem Körpergewicht. Eine Gewichtsabnahme kann die Brust verkleinern, aber nicht in jedem Fall, weil die Brust je nach Veranlagung mehr aus Drüsen- oder mehr aus Fettgewebe besteht.
Wann eine Brustverkleinerung ein Thema wird
Wenn die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Massnahmen über längere Zeit bestehen bleiben und die Lebensqualität deutlich einschränken, kann eine operative Brustverkleinerung, medizinisch Mammareduktion, eine Möglichkeit sein. Dabei werden Haut, Drüsen- und Fettgewebe entfernt und die Brust neu geformt, meist mit einer Anhebung der Brustwarze.
Viele Frauen berichten nach dem Eingriff, dass Nacken- und Rückenbeschwerden deutlich abgenommen haben. Trotzdem ist es eine Operation mit Narben, Risiken und einer Erholungszeit von mehreren Wochen. Mögliche Folgen wie Veränderungen der Empfindlichkeit oder Einschränkungen beim späteren Stillen sollten vorab ausführlich mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie besprochen werden. Die Fachgesellschaft swiss plastic surgery informiert über den Facharzttitel und die Ausbildung.
Was zahlt die Krankenkasse?
In der Schweiz kann die obligatorische Krankenpflegeversicherung eine Brustverkleinerung übernehmen, wenn sie medizinisch begründet ist. Das ist eine Einzelfallentscheidung. In der Regel braucht es vor dem Eingriff eine Kostengutsprache der Krankenkasse, die vom Vertrauensarzt geprüft wird. Dabei spielen Faktoren wie die Menge des zu entfernenden Gewebes, dokumentierte Beschwerden und bereits durchgeführte konservative Therapien wie Physiotherapie eine Rolle. Es lohnt sich deshalb, Behandlungen und Beschwerden frühzeitig dokumentieren zu lassen.
Wird die Kostengutsprache abgelehnt oder ist der Eingriff vor allem ästhetisch motiviert, tragen Patientinnen die Kosten selbst. Diese unterscheiden sich je nach Klinik, Region, Umfang des Eingriffs und enthaltenen Leistungen wie Voruntersuchungen, Anästhesie, Spitalaufenthalt und Nachkontrollen erheblich. Bevor Sie sich entscheiden, lohnt sich ein Blick auf mehrere Angebote. Auf OPVergleich.ch können Sie zum Beispiel die Kosten einer Brustverkleinerung bei Schweizer Kliniken vergleichen und sehen, welche Leistungen jeweils inbegriffen sind. Fragen Sie in der Sprechstunde ausserdem immer nach einer schriftlichen, detaillierten Offerte.
Die richtigen Fragen für die Sprechstunde
- Welche Operationstechnik empfehlen Sie in meinem Fall, und wie verlaufen die Narben?
- Wie viel Gewebe soll entfernt werden, und welche Grösse ist realistisch?
- Welche Risiken bestehen, und wie häufig treten Komplikationen auf?
- Wie lange dauert die Erholung, und wann kann ich wieder arbeiten und Sport treiben?
- Unterstützen Sie mich beim Gesuch um Kostengutsprache?
- Was ist im Preis enthalten, und welche Kosten können zusätzlich anfallen?
Fazit
Eine grosse Brust kann Rücken, Nacken und Schultern erheblich belasten. Ein gut sitzender BH, gezielte Kräftigung, Mobilisation und Physiotherapie bringen vielen Frauen bereits Erleichterung. Bleiben die Beschwerden trotzdem bestehen, ist eine Brustverkleinerung eine anerkannte Option, über die Sie sich in Ruhe und mit mehreren Fachmeinungen informieren sollten.