Selbsthilfe

TENS-Geräte: wie Reizstrom wirkt und für wen er geeignet ist

TENS-Geräte sind kleine, batteriebetriebene Apparate, die über Klebeelektroden schwache elektrische Impulse an die Haut abgeben. Sie werden seit Jahrzehnten in der Schmerztherapie eingesetzt und sind heute auch für den Hausgebrauch erhältlich. Doch was kann ein solches Gerät wirklich, wie wird es richtig angewendet und wann sollte man besser darauf verzichten? Dieser Ratgeber gibt einen sachlichen Überblick.

Was bedeutet TENS?

TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. «Transkutan» heisst «durch die Haut». Das Gerät reizt über die Haut die darunterliegenden Nerven. Die Impulse sind so schwach, dass sie als Kribbeln oder leichtes Klopfen wahrgenommen werden.

Davon zu unterscheiden ist EMS, die elektrische Muskelstimulation. Hier sind die Impulse stärker und sollen Muskeln zur Kontraktion bringen. EMS wird im Fitnessbereich und in der Rehabilitation eingesetzt, etwa um Muskeln nach längerer Ruhigstellung zu aktivieren. Viele Heimgeräte kombinieren beide Funktionen in einem Gerät.

Wie TENS gegen Schmerzen wirken soll

Für die Wirkung von TENS gibt es zwei gängige Erklärungsmodelle. Das erste ist die sogenannte Gate-Control-Theorie: Die Reize über die Haut sollen im Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen dämpfen, vereinfacht gesagt «besetzen» sie die Leitung. Das zweite Modell geht davon aus, dass bestimmte Frequenzen die Ausschüttung körpereigener schmerzhemmender Stoffe anregen.

Die wissenschaftliche Datenlage ist gemischt. Manche Menschen empfinden eine deutliche Linderung, andere kaum eine. TENS kann eine Ergänzung sein, etwa bei verspannungsbedingten Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Menstruationsbeschwerden oder bestimmten Gelenkschmerzen. Es behandelt aber nicht die Ursache und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Die wichtigsten Einstellungen

Heimgeräte bieten meist vorprogrammierte Programme. Wer die Grundbegriffe kennt, kann besser einschätzen, was passiert:

  • Frequenz (Hz): Wie viele Impulse pro Sekunde abgegeben werden. Hohe Frequenzen erzeugen ein feines Kribbeln, niedrige ein spürbares Klopfen.
  • Impulsbreite (µs): Wie lange ein einzelner Impuls dauert. Breitere Impulse werden stärker wahrgenommen.
  • Intensität (mA): Die Stärke des Stroms. Sie wird so eingestellt, dass ein deutliches, aber angenehmes Kribbeln entsteht. Es darf nicht schmerzen und keine starken Muskelzuckungen auslösen, sofern das Programm das nicht ausdrücklich vorsieht.

Beginnen Sie immer mit der niedrigsten Intensität und steigern Sie langsam.

Elektroden richtig platzieren

Die Platzierung der Elektroden hat grossen Einfluss auf das Ergebnis. Als Grundregel gilt: Die Elektroden werden rund um oder entlang der schmerzenden Region aufgeklebt, mit einem Abstand von mindestens zwei bis drei Zentimetern zueinander. Viele Geräte enthalten in der Anleitung Abbildungen für typische Körperregionen.

Achten Sie ausserdem auf Folgendes:

  1. Reinigen Sie die Haut vorher mit Wasser und trocknen Sie sie gut ab. Cremes und Öle verschlechtern den Kontakt.
  2. Kleben Sie Elektroden nie auf verletzte, gereizte oder entzündete Haut.
  3. Schalten Sie das Gerät aus, bevor Sie Elektroden entfernen oder neu platzieren.
  4. Ersetzen Sie Elektroden, wenn sie nicht mehr gut haften. Schlecht haftende Elektroden können punktuell unangenehm stechen.
  5. Bewahren Sie die Elektroden nach Gebrauch auf der Schutzfolie auf, damit sie länger halten.

Wo Elektroden nie hingehören

Es gibt Körperstellen, an denen Reizstrom gefährlich sein kann:

  • vorne am Hals, im Bereich der Halsschlagader und des Kehlkopfes;
  • am Kopf und an den Augen;
  • quer durch den Brustkorb, also mit einer Elektrode vorne und einer hinten auf Herzhöhe;
  • auf dem Bauch und im Beckenbereich während einer Schwangerschaft, ausser auf ausdrückliche Anweisung einer Hebamme oder Ärztin;
  • über Metallimplantaten direkt unter der Haut, sofern nicht ärztlich abgeklärt.

Wer auf TENS verzichten sollte

Nicht für alle ist Reizstrom geeignet. Verzichten Sie auf die Anwendung oder halten Sie zuerst Rücksprache, wenn Sie:

  • einen Herzschrittmacher, einen implantierten Defibrillator oder andere elektronische Implantate haben;
  • an Herzrhythmusstörungen oder Epilepsie leiden;
  • schwanger sind;
  • unklare Schmerzen haben, deren Ursache nicht abgeklärt ist;
  • ein eingeschränktes Hautgefühl haben, etwa bei Nervenschäden.

Verwenden Sie das Gerät nie beim Autofahren, beim Bedienen von Maschinen, beim Baden oder Duschen und nicht beim Einschlafen.

Wie lange und wie oft?

Typische Anwendungen dauern zwanzig bis dreissig Minuten, ein- bis mehrmals täglich. Bei längerer Anwendung kann sich der Körper an den Reiz gewöhnen, sodass die Wirkung nachlässt. Kurze Pausen und das leichte Verändern der Elektrodenposition helfen dagegen.

TENS in der Physiotherapie

Viele Physiotherapiepraxen setzen Elektrotherapie als Teil einer umfassenderen Behandlung ein. Dort wird das Gerät gezielt eingestellt und mit aktiven Übungen kombiniert. Wenn Sie überlegen, ein Gerät für zu Hause zu kaufen, kann es sinnvoll sein, zuerst in der Praxis auszuprobieren, ob Sie überhaupt darauf ansprechen. Fragen Sie auch nach, welche Programme und Elektrodenpositionen für Ihre Beschwerden empfohlen werden. Fachpersonen finden Sie über physioswiss.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Wer ein Gerät für den Hausgebrauch kaufen möchte, sollte darauf achten, dass es als Medizinprodukt gekennzeichnet ist und eine verständliche Gebrauchsanweisung in der eigenen Sprache mitgeliefert wird. Praktisch sind Geräte mit zwei getrennt regelbaren Kanälen, einer Tastensperre und einer automatischen Abschaltung. Fragen Sie nach, ob Ersatzelektroden in verschiedenen Grössen einfach erhältlich sind, denn sie sind das eigentliche Verbrauchsmaterial. Billige Geräte ohne klare Herkunft und ohne Angaben zum Hersteller sind keine gute Wahl, wenn Strom auf die Haut abgegeben wird.

Fazit

TENS-Geräte können bei bestimmten Schmerzen eine einfache, medikamentenfreie Ergänzung sein. Ihre Wirkung ist individuell unterschiedlich. Halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung, platzieren Sie die Elektroden sorgfältig und beachten Sie die Gegenanzeigen. Und vergessen Sie nicht: Anhaltende Schmerzen gehören in jedem Fall ärztlich abgeklärt.