Bewegung

Aktiv durch den Winter: Bewegung, wenn es kalt und früh dunkel ist

Spätestens wenn die Uhren auf Winterzeit umgestellt sind, verändert sich der Alltag spürbar. Am Abend ist es schon dunkel, wenn man die Arbeit verlässt, am Morgen liegt Nebel über dem Mittelland, und der Weg zum Sport kostet plötzlich deutlich mehr Überwindung. Viele Menschen bewegen sich in den Wintermonaten weniger als im Sommer. Das ist verständlich, aber der Körper merkt es: Muskeln werden steifer, der Rücken meldet sich häufiger, und auch die Stimmung leidet oft unter dem Stubenhocker-Modus. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie auch in der kalten Jahreszeit aktiv bleiben, ohne gleich ein strenges Trainingsprogramm aufzuziehen.

Warum Bewegung gerade im Winter wichtig ist

Wer sich regelmässig bewegt, hält Gelenke beweglich, Muskeln kräftig und den Kreislauf in Schwung. Diese Effekte machen keine Winterpause. Im Gegenteil: Wenn wir ohnehin mehr sitzen, im Büro, im Homeoffice oder abends auf dem Sofa, wird ein Ausgleich umso wichtiger. Die Folgen von zu wenig Aktivität sind gut beschrieben, eine verständliche Übersicht bietet etwa der Wikipedia-Artikel zum Thema Bewegungsmangel.

Für die Schweiz hat das Bundesamt für Sport gemeinsam mit dem Netzwerk hepa.ch Bewegungsempfehlungen für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen formuliert. Die Kernbotschaft ist einfach: Jede Bewegung zählt, und es lohnt sich, über die Woche verteilt regelmässig aktiv zu sein. Es geht also nicht darum, im Januar einen Marathon zu laufen, sondern darum, den Körper nicht wochenlang auf Sparflamme laufen zu lassen.

Draussen bewegen: das richtige Mass an Vorbereitung

Frische Luft und Tageslicht tun gut, auch wenn das Thermometer nur wenige Grad anzeigt. Damit der Spaziergang, die Joggingrunde oder die Velofahrt angenehm bleibt, helfen ein paar Grundregeln.

  • Zwiebelprinzip: Mehrere dünne Schichten wärmen besser als eine dicke Jacke. Eine funktionelle Unterschicht leitet Schweiss ab, darüber kommen eine wärmende Mittelschicht und eine winddichte Aussenschicht.
  • Kopf, Hände, Füsse: Mütze, Handschuhe und warme Socken machen einen grossen Unterschied. Über die Extremitäten kühlt man besonders schnell aus.
  • Langsam starten: Bei Kälte brauchen Muskeln und Gelenke etwas länger, bis sie warm sind. Beginnen Sie mit einigen Minuten zügigem Gehen, bevor Sie das Tempo erhöhen.
  • Sichtbar bleiben: In der Dämmerung sind Fussgängerinnen und Velofahrer schlecht zu sehen. Helle Kleidung, Reflektoren und ein Stirnlicht sorgen für Sicherheit.
  • Auf den Untergrund achten: Nasses Laub, Reif und Glatteis sind tückisch. Schuhe mit gutem Profil und bei Bedarf Schuhspikes geben Halt. Tipps zur Unfallverhütung im Alltag sammelt die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU.

Wer am Morgen keine Zeit findet, nutzt die Mittagspause. Gerade in den kurzen Wintertagen ist das oft die hellste Zeit des Tages. Schon zwanzig Minuten zügiges Gehen um den Block bringen den Kreislauf in Schwung und lockern den Nacken nach einem langen Vormittag am Bildschirm.

Winteraktivitäten mit Genussfaktor

Der Winter hat in der Schweiz eigene Bewegungsformen zu bieten, die nicht nach Training aussehen und trotzdem viel bewirken. Winterwandern auf präparierten Wegen, Schneeschuhlaufen, Langlauf oder eine Schlittelpartie mit der Familie sind gute Beispiele. Diese Aktivitäten verbinden Ausdauer mit Naturerlebnis, und man ist oft länger unterwegs, als man es auf einem Laufband je wäre.

Wichtig ist, sich realistisch einzuschätzen. Wer im Sommer wenig gewandert ist, sollte im Winter nicht gleich die längste Route wählen. Kürzere Touren, regelmässige Pausen und genügend Flüssigkeit, auch wenn der Durst bei Kälte geringer ist, sind die Basis. Informieren Sie sich vor Ausflügen in die Berge über Wetter und Wegzustand.

Zu Hause aktiv: wenig Platz, grosse Wirkung

An Tagen mit Regen, Schneematsch oder einem vollen Terminkalender ist das Wohnzimmer die beste Alternative. Für ein wirksames Programm braucht es kein Fitnessstudio. Diese Übungen lassen sich auf wenigen Quadratmetern durchführen:

  1. Kniebeugen: Füsse hüftbreit, Gesäss nach hinten schieben, als würden Sie sich auf einen Stuhl setzen. Zwei bis drei Durchgänge mit zehn bis fünfzehn Wiederholungen.
  2. Ausfallschritte: abwechselnd links und rechts, langsam und kontrolliert.
  3. Wandliegestütze: Hände schulterbreit an die Wand, Körper gerade halten, Arme beugen und strecken. Eine gute Einstiegsvariante für Brust, Schultern und Arme.
  4. Unterarmstütz: Körper auf Unterarmen und Zehenspitzen halten, zu Beginn zwanzig Sekunden, später länger.
  5. Treppensteigen: Wer Treppen im Haus hat, nutzt sie für einige Runden in zügigem Tempo.

Ergänzend eignen sich Hilfsmittel, die ohnehin in vielen Haushalten liegen. Mit einer Faszienrolle lassen sich Oberschenkel, Waden und Rücken nach dem Training lockern, eine Anleitung finden Sie in unserem Artikel zur Faszienrolle. Ein Schlingentrainer an der Tür ermöglicht ein vielseitiges Ganzkörpertraining, mehr dazu im Beitrag über Sling-Training zu Hause.

Bewegung in den Alltag einbauen

Oft sind es nicht die geplanten Trainingseinheiten, die den Unterschied machen, sondern die vielen kleinen Gelegenheiten dazwischen. Einige Ideen:

  • Eine Haltestelle früher aussteigen und den Rest zu Fuss gehen.
  • Telefonate im Stehen oder beim Hin- und Hergehen führen.
  • Jede Stunde kurz aufstehen, die Schultern kreisen und den Rücken strecken.
  • Den Lift links liegen lassen und die Treppe nehmen.
  • Beim Kochen oder Zähneputzen auf einem Bein stehen, das schult das Gleichgewicht.

Wer viel im Homeoffice arbeitet, findet in unserem Ratgeber zur Homeoffice-Ergonomie weitere Hinweise, wie sich Sitzen und Bewegung sinnvoll abwechseln.

Motivation, wenn es draussen grau ist

Die grösste Hürde im Winter ist selten der Körper, sondern der Kopf. Ein paar Strategien helfen, dranzubleiben:

  • Feste Termine: Tragen Sie Bewegung wie ein Meeting in die Agenda ein.
  • Gemeinsam statt allein: Mit einer Kollegin, dem Partner oder einer Gruppe verabredet, sagt man seltener ab.
  • Kleine Ziele: Lieber dreimal pro Woche zwanzig Minuten als einmal pro Monat zwei Stunden.
  • Kleidung bereitlegen: Wer am Abend die Sportsachen sichtbar hinlegt, startet am Morgen leichter.
  • Fortschritte notieren: Ein einfacher Kalender mit Häkchen zeigt, wie viel man bereits geschafft hat.

Nach dem Training: wärmen und regenerieren

Nach einer Runde in der Kälte tut Wärme gut. Eine warme Dusche, ein Tee und trockene Kleidung helfen dem Körper, sich zu erholen. Bei verspannten Muskeln kann eine Wärmeanwendung angenehm sein. Wann Wärme und wann eher Kälte sinnvoll ist, erklären wir im Artikel Wärme oder Kälte?.

Wann Sie eine Fachperson fragen sollten

Bewegung ist für die meisten Menschen unbedenklich und sinnvoll. Wer jedoch längere Zeit inaktiv war, eine chronische Erkrankung hat, Herz-Kreislauf-Beschwerden kennt oder nach einer Verletzung wieder einsteigen möchte, bespricht den Neustart am besten mit der Hausärztin oder einer Physiotherapeutin. Auch Schmerzen, die während oder nach der Bewegung zunehmen, sind ein Grund, fachlichen Rat einzuholen.

Fazit

Der Winter ist kein Grund, die Bewegung einzustellen. Mit passender Kleidung, realistischen Zielen und einigen Übungen für zu Hause bleiben Sie auch in den dunklen Monaten aktiv. Entscheidend ist nicht die perfekte Trainingseinheit, sondern die Regelmässigkeit. Wer jeden Tag ein wenig in Bewegung bleibt, startet im Frühling deutlich fitter in die neue Saison.